PROTOKOLL HUBSI KRAMAR zu PENSION FRITZL

23 02 2009

Mitte November 08 hat mich Hermann Fritzl, mit dem ich schon vor einigen Jahren erfolgreich zusammengearbeitet habe (Die DADA – Walter Serner Show – „Letzte Lockerung“ – 1986), angerufen wegen einer Idee zu einer Mediensatire im Zusammenhang mit dem menschenverachtenden Umgang der Boulvard-Medien mit Gewalttaten vor allem – Gewalt gegen Kindern– Mädchen und Buben, Frauen und Inzest. Für ihn, der den Namen Fritzl trägt und der somit ein Fritzl Sohn ist, da sein Vater auch Fritzl heißt, ist dieser Umstand sehr denkwürdig. Wir überlegen uns einen Titel und einen Termin. Wir haben zuerst einen Titel: Der Herr Fritzl (analog des Qualtinger/Merz Stückes: „Der Herr Karl“ – der berühmte satirische Monolog über Österreich der Nachkriegszeit) – auch unser Stück soll eine Satire, nicht nur über Medien, sondern auch über den Zustand Österreichs, beziehungsweise seiner Bewohnerinnen und Bewohner – heute, werden. Und vor allem nicht über die gepeinigten Opfer der Tragödie Josef F. in Amstetten oder über die Frau Kampusch. Unsere Arbeit behandelt das Phänomen: „Die Fritzels in Uns“ selbst. Eine Studie über die systemimmanente, strukturelle Gewalt in patriachalen Gesellschaften, insbesondere der Österreichischen. Wir denken weiter und wir nennen es: „Pension Fritzl“ – Österreich heute – sozusagen, da ja in einer Pension die skurielsten Menschen zusammenkommen, aus unterschiedlichsten Gründen. Als Termin legen wir den 23. November fest und Spieltage bis 28. Februar 2009. Wir halten es für wichtig, dass im Zuge des Prozesses gegen Josef F., diese Problematik von einer ganz anderen Seite als der reißerischen, vorverurteilenden, platten der Boulvard-Journalisten „beleuchtet“ werden muss. Deren Schamlosigkeit darin besteht die Opfer ihren „Lesern“ als Wix-Vorlage auszuliefern. Unter dem Deckmantel der geheuchelten Moral einzig mit dem Zweck Profit zu machen, die Auflagezahlen zu steigern. Das Mittel diese Heuchelei aufzudecken ist für uns die Satire. Sie erscheint uns am geeignetsten vor allem auch um den eigenen Fritzl, das Fritzel´sche in uns zu entdecken. Wesentlich ist eben: Dass mittels dieser Boulvard-Techniken von den eigentlichen Problemen gesellschaftlicher Missstände abgelenkt wird, durch die Kanalisierung des erzeugten Volkszornes. Verhetzung mittels grober Vereinfachung, Entstellung und lügenhafte Tendenz-Berichterstattung. Schuldzuschreibung auf den Ausnahmetäter. Josef F. Wir wissen, dass er auch einmal ein „kleiner“ Fritzl war und nicht von vornehinein geboren als „Monster“, nicht die „Bestie“ die ihm den kranken, sehr kranken Mann zugeschrieben wird, der im Laufe der Zeit zu solchen grausamen Verhaltenseigenschaften gekommen ist. Da es eine Mediensatire ist, mache ich ein Foto, das mit diesen Mitteln des Boulvard arbeitet. Text und Idee von Herrmann Fritzl, also das Satirische an dem Aussendungs-Text ist eindeutig. Noch dazu bin ich sehr bekannt für satirische Herangehensweisen mittels meiner Theaterarbeiten. Ende November 2008 muss ich Text und Bild für unsere Pressefrau: Gabriele Müller Klomfar fertig gestellt haben, da sie ja rechtzeitig eine Presseaussendung machen muss, wie üblich spätestens 2 Monate vor dem Premierentermin. Ich übergebe ihr Text und Bild für die Presseaussendung Mitte Dezember. Am 21. 12. 09 hat Frau Klomfar die Presseaussendung bezüglich „Pension Fritzl“ an die Presseagentur APA, die Quartalsmedien und Monatsmedien geschickt. Nach den Feiertagen, am 11. 01 09 hat sie noch einmal diese Aussendung gemacht. Außerdem mache ich auch das Jänner/Februar Programm für das 3raum-anatomietheater fertig, um es vor meiner Abreise unseren Informations-Verteilern auszuhändigen um es rechtzeitig im Theater auflegen zu können, da ich erst am 16. Jänner zurückkomme, aber schon ab 14. Jänner gespielt wird – Publikum ins Theater kommt. Wie jedes Jahr fahre ich im Winter vor Weihnachten weg – etwa ein Monat, um irgendwo weit weg von Österreich, in völliger Ruhe meine weiteren Arbeiten, Stücke etc zu schreiben. Da schaue ich auch in kein Internet oder habe auch das Handy ausgeschaltet. ————————————-

Do. 16. 01. 09 Rückflug über München nach Wien. Lese internationale Zeitungen. Nichtsahnend was bald darauf das Thema Gedankenfreiheit und Medien für mich selbst für eine Rolle spielen würde. So lese ich, als müßte ich das gerade jetzt lesen: die Geschichte des Journalisten Lasantha Wickrematunge aus Sri Lanka, der soeben ermordet worden ist – sein Abschiedsbrief mit dem Gedicht des Theologen Martin Niemöller, der von 1937 bis 1945 im Konzentrationslager Sachsenhausen und Dachau inhaftiert war. „Als die Nazis die Kommunisten geholt haben, habe ich geschwiegen. Ich war ja kein Kommunist. Als sie die Gewerkschafter holten habe ich geschwiegen, ich war ja kein Gewerkschafter. Als sie die Sozialisten einsperrten, habe ich geschwiegen, als sie die Juden einsperrten habe ich geschwiegen, ich war ja kein Jude. Als sie mich holten, gab es keinen mehr, der protestieren konnte.“ … und dann, welch ein Kontrast. lese ich eine österreichische Zeitung: NEWS Nr 3 vom 15. 01 und ich bin entsetzt über diese Art von Journalismus. Ein aufreißerischer Artikel nach dem Anderen. Das erwartet mich also wieder wenn ich nach nÖsterreich zurückkomme und vor allem solche Zeitunge. So lese ich z.B. über das gefakten Dchungelcamp mit abstoßenden Bildern von der Mausi Lugner, einem – Kronen Zeiutungs Seiteblicke Star Österreichs. Es ist wirkklich abstoßend wie da berichtet wird. Dann lese ich auf Seite 45 ein Interview mit der österreichischen ÖVP Innenministerin Frau Fekter über den Fall Arigona und die Familie Zogaj, sie sagt: „Dergleichen hat mich in keiner Weise zu berühren. Ich habe nach den Gesetzen vorzugehen, egal ob mich Rehlein Augen aus dem Fernseher anstarren oder nicht.“ Fekter ist eine Mitglied der ÖPV, der sogennanten christlich sozialen Volkspartei. Das erwartet mich wieder wenn ich nach Hause komme Österreich Heute… es ist erschreckend. In München angekommen rufe ich in Wien an um mich zu erkundigen ob alles in Ordnung ist, ich erfahre, dass wir eine Pressekonferenz machen müssen wegen Pension Fritzl. Ich denke: Mist wir haben keine Anmeldungen und rufe als bei unserer Presse Frau Müller Klomfar an und erfahre, daß sie die letzten Tage Blut geschwitzt hat und mich schon verzweifelt sucht, weil in den österreichischen Boulvard-Medien gegen mich seit täglich in der Gratis-Zeitung HEUTE und in der Kronen-Zeitung eine Hetzkampagne läuft, seit dem 13. Jänner und dass wir deshalb dringend eine Pressekonferenz machen müssen. Ich bin einigermaßen entsetzt weil ich ja nicht weiß was da gelaufen ist und schlage spontan den nächst besten Termin vor – den kommenden Donnerstag am 23. Jänner um 11h im 3raumtheater. Sie klärt es ab. Weiterflug nach Wien – zu Hause angekommen studiere ich im Internet einige Artikel und bin eigentlich schockiert über so eine unglaubliche Verhetzung wegen einer Sache, die keiner kennt. Dabei muss man sich immer wieder bewusst sein, dass es wirklich fürchterliche Probleme gibt rund um den Globus, abgesehen von der Finanzkatastrophe. In der Welt ist Krieg, Tod und Elend, den es so gar nicht geben müsste. Neuerdings blutende Schlachtfelder im Krieg Israel gegen Palästina. ———————

Fr. 16.01 ich telefoniere und mache mir ein Bild und bin schockiert über diese Volksverhetzenden Artikel und die hetzerische Aussendung des Wiener Kultursprechers der FPÖ Ebinger, der das ganze ins Rollen gebracht hat. Ohne zu wissen was wir da machen und ohne mit mir gesprochen hat. – siehe Brief und die Hetzerei in der Kronenzeitung und im HEUTE und auch die gigantische globale Medienreaktionen, mache Termine aus und schaue ins Theater. Eines ist mir sofort klar. Dass hier etwas sehr außergewöhnliches interessantes passiert ist: Dass nun die Medien das selbst machen, was wir geplant hatten – eine Stück über die Medien selbst, ein medienkritisches Stück – eine Mediensatire, eine Soap – Groteske Die Art und Weise wie die Marktbeherrschenden Boulvard-Medien, unter dem Deckmantel der Moral, heuchlerisch über mich herfallen und mir das unterstellen was sie selbst machen – nämlich die Opfer verhöhnen, indem sie sie ständig ans Licht zerren und ihren gierigen Lesern Bilder vorsetzen die die kranken Phantasien von vielen dieser Leser anregen, wie diese Journalisten im Dienste der Auflagensteigerung des Profit willens der keine Moral kennt Pornografisierung betreiben – Wix-Vorlagen herstellen und in meinem Fall, durch ihren Hetzstil dem Volkszorn erwecken (Leserbriefe) und mich so zu einem Verbrecher stempeln der seinen Lesern zum Fraß vorgeworfen wird, um so zu einem Volksgerichtshofmäßigen Urteil – Verurteilung zu kommen. Und darüber hinaus wird das ganze aufgeblasen und plötzlich global berichtet – über etwas das keiner kennt, keiner wirklich wissen kann. Und dadurch machen diese Medien ein Stück über sich selbst. Eine wahrhaftige Medien-Satire. Sie sind eigentlich ganz ehrlich, sie nehmen ihre Masken ab und zeigen wie sie wirklich sind. –

——————- Sa. 17. 01. lese ich den neuen Hetzartikel in der Gratis-zeitung HEUTE und treffe mich mit Hermann Fritzl, der ja wesentlich an dem ganzen beteiligt ist. Wir sind uns einig, dass die Medien nun selbst das Stück machen, das Stück in dem wir selbst nur Akteure, Zeugen, Betrachter sind. Wir besprechen wie wir weiter vorgehen werden und haben große Übereinstimmung. ——————————————

So.18. 01. KZ Kronen Zeitung in: „Post von Jeannee“ – im Stil seines Artikel 1968 über die „UNI-Ferkelei“ bezeichnet er mich als Ekelmime und denunziert mich wieder auf die bekannte Art wie die Krone in Österreich Menschen zu ruinieren versucht. Mit seinem Texten wie folgt: „…und mutiert vom weiterhin unbekannten Kleindarsteller zum… (gegen Ende des Artikels der letzte Vernichtungsschlag) ….bleiben sie doch nur ein armseliger Schmierenkomödiant, der mit allen Mitteln versucht aus den Niederungen seines bedeutungslosen schauspielerischen Unvermögens auszubrechen. “Herr Kramar Sie sind kein Ekel, Sie sind ekelhaft!…“ (der Jeanee, der im Interview mit Herrn Gärtner ARD-Bayern am 02.02 auf Gärtners Hinweis sagen wird– „es interessiert ihn das Stück nicht“. Ich denke mir: Wenn jemand nie ein Goulasch gegessen hat, den Leuten aber einredet, dass ein Goulasch wie das Wiener Riesenrad schmeckt….und wer das dann nicht glaubt, wird hingerichtet (wie ein Diktator z.B. Stalin der „die Wirklichkeit verboten hat“ als die Kollektivierung in seinem Staat nicht funktioniert hat….) Ich habe ein Treffen mit Yasmin Randall (sie hatte mir ein interessantes email geschickt wegen der „Mauer des Schweigens“ was die Opfer betrifft) – sie ist vom „österreichischen Bundesverband der PsychotherapeutInnen“. Ich lade sie als Expertin ein, mit mir an der Pressekonferenz teilzunehmen. In dem Gespräch mit ihr wird mir klar wie wichtig es ist, dass dieses Thema des Verschweigens, Verdrängens, “unter den Teppich Kehrens und des Gras darüber wachsen zu lassen“ ganz entscheidend ist.

Mo. 19. 01. Telefonat mit Presse-Bundeskanzleramt Dr. F. Putz, dem ich diese Ungeheuerlichkeiten unterbreite – er meint lakonisch: „Das ist eh ganz normal…“ dies wird mir nun von anderen hochrangigen auch Linken Persönlichkeiten Österreichs gesagt: Dass DAS doch eh ganz normal ist – Lügenjournalismus Diffamierungen, Hetz-Artikel im 3. Reich mag das „normal“ gewesen sein aber noch sind wir nicht so weit – noch nicht – aber wenn sich die Verantwortlichen Demokratievertreter (Bundes-, Landes Regierung) dazu schweigt, passiert genau das, was die Verursacher die Rechten (FPÖ – Edlinger)wollen – Seht her liebes Volk – nur wir sind für euch – die anderen (Parteien) tun nicht gegen einen Volksschädling und bezahlen dieses “Schwein“ und diese „Sauereien“ eines Österreich-Schlechtmachers im Ausland nicht – siehe die Sonntags Krone vom 25. 01 – wo ich im „freien Wort“ neben die Jellinek und den Nitsch gestellt werde als Österreich-Schlechtmacher – Volksschädling und dafür noch Subventionen bekomme…) Ich beschließe jedenfalls dass es nicht normal ist und nachsehen will wieweit das geltende österreichische Recht in dieser Sache hilft und rufe meinen Rechtsanwalt Dr. Freund an um mich mit ihm zu treffen. Telefonat Ma 7 – Kulturstadtrat: Mailath-Pokorny Am Nachmittag das Begräbnis vom Gerhard Jonke – im Zentral-Friedhof. Gespräche mit G, Ruis, R. Menasse etc. G. Ruis erwidert auf meinen Hinweis, dass die Politik in so einem Fall handeln müsste lakonisch: Welche Politik? – der nächste Schlag in meine Magengrube, ich weiß er hat recht. Di. 20. 01. weiterer Hetz-Artikel im HEUTE immer Bild an Bild mit Josef F. (von mir ebenfalls ein „Täter“ Foto – böse) Außerdem wurde ich „vorgeladen“ ebenfalls sehr außergewöhnlich und habe einen Termin im Ma 36 Veranstaltungsreferat. Das ist eine subtile Art der ZENSUR – eine frühzeitige Anmeldung der Veranstaltung um zu „Gestehen“ was ich denn da mache. Die Beamtin erklärt mir das hätte die Polizei verlangt und ich beschreibe mein „Stück“. Am Nachmittag habe ich ein Treffen mit meinem Rechtsanwalt um unser weiteres Vorgehen zu besprechen und eine Klage zu formulieren: Medienrecht und Ehrenbeleidigungsklagen. Das Medienrecht wurde mir gegenüber in fast jedem Punkt, durch die Medien-Verantwotlichen in der Berichterstattung über mich, gebrochen. —————————————————-

Mi. 21. 01. Computerabsturz an diesem heißen Tag vor der Pressekonferenz wo ich dringend Texte für die Pressekonferenz schreiben müsste und Post machen und das ganze Karten-Reservierungs-System…. etc. etc. Aber ich habe Glück und finde einen Experten der auch kommen kann. Heiko – er rettet Not-wendige Daten und arbeitet bis 23 Uhr. Er bringt ein habe ein Ersatzgerät und ich kann arbeiten…. ————————————————–

Do. 22. 02. Um 11h Pressekonferenz. Es sind sehr viele Vertreter nationaler und internationaler Medien gekommen. Die Psychotherapeutin – Opfer Expertin Yasmin Randall ist mit mir am Podium. Es wird für mich eine sehr emotionale PK, da mir immer mehr bewusst wird wie grausam unsere Gesellschaft ist. Frau Randall argumentiert sehr gut, sachlich fundiert. Diverse Interviews. Danach erste Vor-Besprechung mit den KünstlerInnen der Produktion PF., die bei der PK anwesend waren. Ich erzähle ihnen was bisher geschehen ist und dass nun unser Stück von den Medien selbst gemacht wird. Es wäre nun für unsere weitere gemeinsame Arbeit wichtig, dass sie nun selbst, über ihre eigenen Opfer/Täter Geschichten nachdenken sollten – als Arbeitsgrundlage für ihre „Rolle“. —————————————————

Fr. 23. 02. Die HEUTE Hetze steigert sich. Obwohl ein Journalist des HEUTE bei der PK anwesend war und ich klargestellt habe, dass es keine Komödie ist und dass es im Stück überhaupt nicht um die Familie des Josef F. geht. Sondern, dass es eine Mediensatire ist mit dem weiteren Aspekt, dass es um den Fritzl in uns geht. Den Gewalttäter in uns. Es ist ja nicht zu fassen, aber hier zeigt sich wie diese Art von Zeitungen vorgehen. Auf der ersten Seite steht, in einem roten Balken, davor ist ein Foto von Josef F.: „Skandal-Regisseur beharrt auf seiner Komödie über den Fall Fritzl“. Auf Seite 8. u. 9 sind zwei weitere Hetz- Artikel im Blatt wieder mit einem Foto von Josef F. Und einem „Täter“ – Foto von mir – das mich ebenfalls als besonders grauslich erscheinen lässt. Am Morgen – ab 9h habe ich ein Live-Interview im „freien Radio“ 886 – der Moderator ist intelligent, aber wird sofort nach dem ersten Gespräch mit mir zum Chef zitiert, dazwischen legt er Musik auf wie: „No Milk Today“. Er kommt einigermaßen „gedämpft“ (Dämpfer vom Chef zurück, der im aber vorher versichert hat, dass er mich frei reden lassen kann. Er sagt etwas darüber, dass die Anderen, über die ich spreche nicht da wären etc… jedenfalls wird er sofort wieder nach meinem Statement und nachdem er wieder ein Musiknummer aufgelegt hat zum Chef zitiert und dann ein drittes Mal. Und wieder wird ihm der „Kopf gewaschen“. Es ist ungeheuerlich und das im freien Radio. Am Nachmittag habe ich ein TV Interview mit 3sat. Am Abend um 18.30 h bin ich zu einem live Studio Gespräch bei Puls4 mit dem Anwalt vom Josef F. (Mayer) und einer Pressedame vom 0e online. Eingeladen. Bezeichnenderweise hat sich R. Schmitt der HEUTE Hetz-Verantwortliche geweigert sich mit mir live zu konfrontieren. Danach gehe ich zu meinem Rechtsanwalt, vor allem da HEUTE, trotz der PK weiter derartige Lügen und Verhetzung gegen mich betreibt. ————————————————-

So. 25. 01. Sonntags Krone “ Leserbrief gegen mich mit Foto – Auf der Vorderseite groß: „Österreich ein Asylparadies“ darunter ein Bild mit dem Bundespräsidenten und dem gossen Nationalheiligen: Karl Schranz, der Held Österreichs im Kampf gegen das böse Ausland (Ausschluss bei den olympischen Spielen in Sapporro – davor hat ja Toni Sailer und somit Österreich, mit 3 Olympiasiegen bei den olympischen Spielen 1956 Welt gezeigt, dass wir sowieso die Größten sind….) Und in dieser Sonntags Krone werde ich in einem Leserbrief mit Foto im „Das freie Wort“ wieder beschimpft, wie folgt: „Durchgeknallt… – …dass die Geschmacklosigkeit (Pension Fritzl“) jedoch auch noch dadurch übertroffen wird, dass der Staat diese Pietätlosigkeit gegenüber den Opfern noch mit Steuergeldern subventioniert – angeblich 150.000 Euro. Nitsch, Kolig Jelinek, Mühl usw. lassen grüßen.“ Schreibt ein gewisser SS – (Stefan Scharl) Mo. 26. 01. Nach 11 Tagen täglicher HEUTE Hetze erscheint nichts im HEUTE Pierre Daum aus Paris macht mit mir ein Interview für einen LeMonde – Diplomatique Artikel. Und weiters Interviews mit einer Journalistin aus Zagreb und mit einer Journalistin, Frau May, von der Leipziger Volkszeitung. Und was geschieht in der weiten Welt an Ungeheuerlichkeiten? Die Kirche…. die so wichtige Dinge zu tun hätte, wäre sie christlich. Der Papst hebt die Exkommunikation von einigen Bischöfen der extrem konservativen Pius-Brüderschaft auf. Besonders empörend ist die Wiederaufnahme des Holocaustleugner Bischof Williamson in den Schoß der Kirche. Wie es auch in der Politik einen starker Rechts-Ruck gibt, ist dies auch in Kirchlichen Belangen der Fall. Gruselig… Quo Vadis Globus?!? ———————————————-

Di. 27. 01 Die Nacht war wieder sehr kurz. Es geht mir sehr vieles durch meinen Kopf. Ich schreibe, wie jeden Tag frühmorgens, Texte für PF. Ich schreibe aber erst Skizzen. Danach habe ich Termine wegen Gastspielen im 3raum-theater. ———————————————–

Mi. 28. 01. Wieder eine extrem wenig Schlaf – im Schnitt drei bis vier Stunden. ES treibt mich wie ein gehetztes Tier. Klar ein mächtiger Apparat von Politik und Medien ist hinter mir her. Das ist ein gigantischer Moloch, der eine enorme Energie ausstrahlt. Ein kleines Menschlein ist ein Nichts gegen diese Gewalten. Und das habe ich jetzt durchzustehen. Frühmorgens schreibe ich weiter Szenen für PF. Herr Schmitt vom HEUTE ruft mich an ob wir uns treffen können wegen eines Gesprächs-Termines. Was führt er im Schild? Ihm ist alles zuzutrauen. Wenig Gutes. ———————————————–

Do. 29. 01. Erstes Arbeitstreffen – Probe – Erstes Gesamt Treffen der PF KünstlerInnen, um mit allen über die Grundlagen, das Geschehene und das was wir machen werden und was jeder glaubt dass sie/er machen möchte, zu sprechen Es kommen 35 , Menschen – KünstlerInnen, die mitmachen wollen. ———————————————–

Fr. 30.01. Termin am Morgen im Theater wegen Behörden Begehung – Feuerlöscher Überprüfung. Termine und ein Interview mit Chris Haderer für Radio Augustin interessant ist, dass einige Journalisten im Laufe des Gesprächs selbst über ihre Problem als Journalisten sprechen. ————————————————

Sa. 31. 01. Zweites Arbeitstreffen wegen Produktion PF mit den KünstlerInnen – sehr spannende Aspekte der verschieden TeilnehmerInnen werden besprochen. Und wieder eine Schreckensmeldung aus dem Vatikan. Der Papst hat über die Köpfe der Linzer Kirchen Schafe die Einsetzung des extrem konservativen Gerhard Maria Wagner veranlasst. Wagner, ist einer dieser erzkonservativen Priester, der die gruselige Ansicht vertritt Naturkatastrophen seien eine Strafe Gottes. Galilei. Und die Inquisition lassen grüßen. ————————————————-

So. 01 02. Endlich ein ruhiger Tag – Arbeiten im 3raumtheater – neue Gruppe Stück: Die menschliche Stimme – Cocteau. ————————————————-

Mo. 02.02. Ab 10h Besprechung im 3raum-theater mit Elektriker, Ali und Charly wegen Strom-Befund des 3raum für die Behörden – am 09. 02. im Zuge der Aufregungen um PF. Um 11h kommt Herr Menzel wegen des Statik-Befundes für das Lichtgerüst und die Podest im Raum 1. Ab 14h kommt Herr Gärtner – Bayrischer Rundfunk wegen eines TV Beitrages für ARD am 08. 02 09 um 23h in der seriösen Sendung „Titel, Thesen, Temperamente“ von ARD. Er möchte unsere „Proben“ mitfilmen und Interviews. Interessant ist, dass bereits ein anderer Journalist des ARD – Hessen für dasselbe Magazin TTT für den ARD – etwas machen will. Also nicht nur die Medien wollen Beiträge sondern auch die Anstalten in sich konkurrieren. Es scheint befremdlich ist aber Medienlogisch. Auch dass mich Herr Gärtner kurz vor unserem reffen anruft und fragt ob ich einen „Star“ für ihn hätte, mit dem er ein Interview machen könnte – und das am selben Tag. Wie stellt er sich denn das vor. Er hätte mich das wirklich früher fragen sollen. Ich versuche Josef Hader und Alf Poier zu erreichen. Und erreiche sie (was nicht einfach ist) sie sind spontan bereit für ein Interview mit Gärtner. Harry Krassnitzer. erreiche ich nicht – er ruft mich in der Nacht zurück. Ab 15 Uhr kommt ARD Team mit Herrn Gärtner um uns bei der Arbeit zu filmen für ihren Beitrag. Da ich NICHTS von dem was wir wirklich bei der „Premiere“ machen werde zeigen möchte, wird es sehr spannend, da ich nun auch noch spontan eine Inszenierung eines Stückes vorführen muss, das es nicht gibt und so auch nicht geben wird. Es sind viele von den KünstlerInnen da und sie spielen ebenfalls ausgezeichnet Dinge, die sie dann nicht spielen werden. Besonders interessant ist die sein Bericht über das Treffen mit dem Krone Jeannee, der ohne das Stück gesehen zu haben, dagegen und gegen mich geifert. Und auf diesen Hinweis ob er sich das Stück ansehen werde antwortet. Dass Ihn dieses Stück nicht interessiert. Das ist wie wenn jemand noch nie ein Goulasch gesehen und gegessen hat und nun beschreibt wie ein Goulasch schmeckt. Er ist überzeugt davon, dass es wie das Wiener Riesenrad schmeckt. ————————————

Mi. 04. 02. um 15h inszenieren wir wiederum wie am 02.02. für das Tschechisches Fernsehen, Ö1-ORF, Radio Orange – Herbert Gnauer und TV-Octo – Sepp Zauner wieder spontan PF – ein Stück, das es nicht gibt und das so wie es in dem Moment für diese Medien jetzt inszeniert wird, nicht geben wird – es ist ein sehr spannender Arbeitsprozess unsere Mitwirkenden sind wieder großartig. Um 19.30 h Treffen mit Richard Schmitt –vom Chefredakteur des Gratismagazin HEUTE der verantwortlich ist für die Serie der Hetzartikel des HEUTE. Treffen im Cafe Mozart. Es begleiten mich Clemens Hollmann (Kamera) und Chris Haderer, der es mit einem Tonband aufnehmen wird. Obwohl Schmitt vorher zugesagt hat, lehnt er es nun ab, dass er bei dem Interview gefilmt wird. Wie ich es auch ablehne von einem Fotografen des HEUTE, mit ihm gemeinsam, fotografiert zu werden. Wer weiß was er mit so einem Foto macht. Nach all dem was er bisher getan hat, kann man ihm überhaupt nicht vertrauen. Es ist ein sehr spannendes Gespräch – eineinhalb Stunden. Das HEUTE hat eine tägliche Auflage von 350 000 Stück und 700 000 tägliche Leser. Daher hat Schmitt als Chefredakteur Macht in Österreich. Er telefoniert, wenn er will täglich mit den Mächtigen dieses Staates etc. Er findet nach wie vor, dass er alles richtig gemacht hat, dass er darauf Wert legt der Wahrheit zu dienen und im Interesse der Opfer zu handeln. Er ist aalglatt, das Parade Beispiel für einen Boulvard Journalisten. Mit seinem ganzen Zynismus und der Heuchelei, die er selbst gar nicht bemerkt. Erschreckend. Er sieht überhaupt nicht ein, dass er in meinem Falle zu den schlimmsten Mitteln des Journalismus gegriffen hat. UND DASS ICH DAS NICHT PERSÖNLICH NEHMEN SOLL. Es wird jemand zum Tode verurteilt, dem wird vor der Exekution gesagt: „Nehmen sie es nicht persönlich.“ Er weiß gar nicht was er mit manchen Aussagen eigentlich sagt. Wie menschenverachtend er im Grunde genommen ist. Er will auch nicht zugeben, dass zwischen seiner Macht und meinen geringen Einflussmöglichkeiten ein sehr großer Unterschied besteht. Goliath und David. Meine vom Rechtsanwalt Freund geforderte Gegendarstellungen und Entschuldigung lehnt er grundsätzlich ab ab. Meinen Vorschlag täglich eine Art Blatt-Medienkritik „seiner Zeitung“ einzurichten und dass wir eine Geschichte machen mit Frau Randall über die Opfer der Gewalt in der Familie etc. die eine Mauer des Schweigens umgibt. Das werde ich mit meinem Anwalt besprechen. Er sagt dass für ihn nur eines zählt, was seine Kinder und seine Frau über ihn denken. Was alle anderen über ihn denken ist ihm egal. Er beschreibt ein politisches Problem seiner Arbeit als Blattmacher, dass die herrschenden, regierenden Parteien „schlafen“, dass sie ihm und den HEUTE Lesern selten „gute Geschichten liefern“, während die rechts Parteien jeden Tag scharfe Sachen anbieten. Dass die Rechten viel bessere Medienarbeit in seinem Sinne, im Sinne des Boulvard-Journalismus machen (Das ist ja auch nicht schwer, einfach gestrickte, populistische „Aufmacher“ zu produzieren) Außerdem hätte er meine Geschichte 11 mal gespielt, weil in der Zeit Mitte Jänner wenige „gute Geschichten“ für ihn geboten werden. —————————————

Do. 05. 02. Heute wieder im Theater wegen der Behördenbegutachtung für kommenden Montag – ich telefoniere mit dem Alf Poier, der mich angerufen hat, ob er helfen könnte, da er meine Situation gut verstehe, da er vor kurzem ebenfalls wegen seines Marien-Kunstwerkes medial gehetzt und verhetzt wurde. Wir vereinbaren einen Termin. Dann gehe ich zum Rechtsanwalt wegen der Schriftsätze und Anzeigen. Die von Edlinger FPÖ ist fertig. Die wird nun erfolgen. Wegen Schmitt werde ich noch mit ihm verhandeln was er machen wird: Richtigstellung, veröffentlichtes Interview mit mir. Ich telefoniere mit unserer Pressefrau Gamuekl um ihr zu sagen, dass ich nun den Titel von „Pension Fritzl“ ändere, auf „Pension F.“ da ja wie z.B. der Standard wenn sie es ankündigen ohnehin Pensioin F: schreiben werden wie alle anderen Medien auch und um diesen Falschdarstellungen und der Hetze ein Ende zu bereiten. Also der aktuelle Titel: PENSION F. von Hermann Fritzl und Hubsi Kramar – Die aktualisierte, ultimative Mediensatire. Erstes Globales Volkstheater. Alle spielen mit, alle spielen sich selbst. Danach gehe ich zurück in den 3raum. Ich komme zum Eingang und stelle entsetzt fest, dass Vandalen alle Plakate heruntergerissen haben und alle Werbekarten weggenommen haben. Das Türschloss haben sie mit einem Superkleber verklebt. Es ist also so weit, die von bestimmten Personen, von Krone und HEUTE Aufgehetzten, Hasserfüllten beginnen nun ihre auf uns geleiteten Aggressionen freien Lauf zu lassen. Ich rufe die Polizei, erstatte Anzeige und bin erst einmal sehr beunruhigt, was nun alles auf uns zukommen wird. Die Medien möchte ich vorerst nicht einschalten um das Klima nicht noch mehr aufzuheizen, zu kalmieren. Ich verlange von Herr Schmitt vom HEUTE eine Richtigstellung in seiner Zeitung, die am meisten gehetzt hat. Ich muss in der Nähe des Theaters bleiben, damit die Abendvorstellung von: „Die menschliche Stimme“ von Cocteau nicht gefährdet ist. Um 20h kommt Heinz Wagner vom Kurier, wir besprechen ein mögliches, Projekt, diese Sache betreffend. Dann später zu Hause bespreche ich mit Alexandra, was die Gruppe morgen bei der Probe benötigt auch an Klarstellungen um etwaigen Missverständnissen und Ängsten zu begegnen. Und vor allem auch das Lob für sie wie wunderbar sie bisher gearbeitet haben. Ich muss darauf achten, den Leuten zu sagen wie gut sie arbeiten. Das ist überhaupt nicht selbstverständlich. ———————————

Fr. 06. 02. Telefonat mit R. Schmitt, dem ich mitteile, dass es nach dem Vorfall von Gestern, der Vandalisierung des Theater Einganges, nun sehr dringend notwendig ist, dass er in seiner Zeitung HEUTE eine Gegendarstellung bzw. Richtigstellung vornimmt. Er sagt ein Telefon Interview mit mir am Sonntag zu. Ab 12.30h ein Treffen mit der medienkritischen Künstlergruppe: MASCHEK im Cafe KAFKA wegen eines Beitrages ihrerseits zu PF – da sie ja ausgezeichnete Medien-Satire machen. Um10.30h will ich, wie schon sooft davor, an Szenen für PF schreiben. Schließlich soll ja schon am 23. 02 die erste öffentliche Aufführung sein. Es gelingt wieder nicht, da ein dringender Anruf kommt, dass mich eine APA Redakteurin sprechen will, wegen unserer neuen Aussendung an die Presse, wegen des geänderten Stücktitels. Danach ist es 11.15 h und ich komme wieder nicht dazu mich zu konzentrieren um Szenen zu schreiben, die ich schon begonnen oder im Kopf habe. Es scheint so, dass das Stück wirklich nie geschrieben werden kann, da ständig etwas passiert. Es ist wie in einem Sturm, der alles weiterjagt auch mich, da ich mich mitten drinnen befinde. Am Abend Treffen mit Helmut Schödel von der Süddeutschen. Es wird ein sehr anregender Abend, da Helmut ein brillanter Kopf ist, der ja Österreich und die neue österreichische Theaterliteratur gut kennt, als Schwab Experte und aktiver Teil der jüngeren Wiener Theatergeschichte ———————————

Sa. 07.02. Heute aber an den Schreibtisch und ausarbeiten gewisser Szenen. Es gelingt. Diese Arbeit verlangt eiserne Disziplin mir bleiben im Schnitt, die letzten Wochen 4 Stunden Schlaf. Ich habe sehr viel Energie. Tief drinnen bin ich aber schon sehr erschöpft. Es ist ja ein Kampf Don Quichote gegen die Windmühlen. Der gigantischen MEDIEN-Windmühle. Aber sich gegen diese Gefängnis-Produzenten und ihren Aufsehern, zur Wehr zu setzen, das käme einer Kapitulation gleich. Ein sich fügen in diese permanente Freiheitsberaubung seine Meinung frei äußern zu können, wäre höchst fatal. ——————————— So. 08.02. Ich muss mittags in das 3raum-theater, Vorbereitungen wegen der Behördenbegehung am Montag. Sehr viel Ausräum-Arbeiten. Vorher kann ich am Text weiterarbeiten -endlich. Telefonat mit Herrn Schmitt, er meint, dass für den nächsten Tag seien Zeitung schon voll wäre, ich solle ihm Texte schicken, bezüglich meiner Richtigstellung. Das ist dringend nötig um nach dem einsetzenden Terror gegen mich und unser Theater zu Deeskalieren. Um 23 Uhr ist im TV – ARD: Titel, Thesen, Temperamente der Beitrag über uns. Besonders interessant wie sich der KronenZeitungs-Jeannee durch seine Schimpftirade gegen mich und das Stück, das er nie gesehen hat, bloßstellt. ———————————–

Mo. 09.02. Alles zur Mülldeponie, dann Podeste und Geländer von Firma Fürst – 1200.- € holen – Behördenforderungen. Am Nachmittag kommt Herr Dipl. Ing. Schlederer von der Ma 36 – Er ist sehr freundlich, aber er kann auch nicht anders, er muss nun „jeden Stein“ im Theater umdrehen um etwas zu finden. Es ist wahnsinnig. Diese Freundlichkeit… er muss wegen seinem Vorgesetzten. Das dauert zweieinhalb Stunden. Erst vor zwei Jahren haben wir die Dauergenehmigung nach akribischen Vorarbeiten bekommen. Nun müssen wir wieder sehr vieles tun, Tischler, Elektriker, Schweißer…sehr schnell, ansonsten schließt die Behörde das Theater – Behördenterror. Am späten Nachmittag Interview mit Manfred Kreijci freies TV, danach Probe. Oberst Pöchhacker – vom Verfassungsschutz – ein Scheibbser, wie er sagt, ich erinnere mich an ihn als kleines Kind Er kommt um mir zusagen, wenn ich etwas brauche, sollte ich ihn anrufen. Jeder beschreibt, was er/sie machen wird und machen möchte. Es ist sehr wichtig, dass alle das machen, was sie wirklich dazu machen wollen. Nach Proben Ende will ich mit Alexandra weggehen. Wir können nicht zusperren, da die Theater-Eingangstüre im Innenbereich – das Schloss – mit Sekundenkleber zugeklebt worden ist. Wahnsinn, wo führt denn das noch hin. Das ist wirklich Terror. Wie lange stehe ich das noch durch? Auch Alexandra ist am Ende. Alexandra, die so wichtig ist für mich und das Theater. Ohne sie würde ich das 3raum-theater gar nicht gemacht haben. Ohne ihren Einsatz und ihre Fähigkeiten der Hingabe hätte ich nicht die Kraft das alles zu tun. Es ist die Liebe zueinander, die mir immer wieder die Kraft gibt diesen ganzen Wahnsinn durchzustehen. Dieser ganze Einsatz geht weit über das Leistbare hinaus. Abend erhalte ich eine Email-Nachricht mit einem Angebot in einem Film, einer spanisch-österreichischen Koproduktion über das Phänomen Josef F. in einem Film die Rolle des Josef Fritzl zu spielen. Es soll kein Trash-Film werden, sondern eine ernsthafte Auseinandersetzung in meinem Sinn – was macht einem Menschen so krank und grausam, dass er solche grausamen Taten vollbringt. ———————————–

Di 10. 02. Ich rufe den HEUTE Schmitt an um ihn zu fragen warum meine Gegendarstellung noch immr nicht erschienen ei. Und dass es, für mich, meine Mitarbeiter und das Theater immer gefährlicher würde. Er hatte ja ursprünglich versprochen, dass es am Montag den 09.02. erscheinen sollte. Da hat er gesagt seine Zeitung wäre voll, ich solle alles schicken damit er es am Dienstag veröffentliche. Am Dienstag ist wieder nichts in einer Zeitung. Ich sage ihm, dass auch durch seine aufhetzenden Artikel nun die Situation gefährlich eskaliere und bereits ein zweiter „Anschlag“ verübt worden sei, dass das Eingangs-Schloss der Metalltüre mit Kleber zerstört worden ist und dass das ein schreckliches Gefühl ist. Und dass er in besonderen Maß dafür die Verantwortung trage. Er weist jede Schuld von sich. Ich sage ihm was das bedeutet und ob er sich im klaren sei was das z. B. für ihn bedeuten würde wenn seine Familie bedroht würde, wenn bei ihm zu Hause in seinem Briefkasten Drohbriefe wären und seine Türschlösser zerstört würden. Er schüttelt es hämisch ab. Er meint, das ganze hätte mit ihm und was er geschrieben hat nichts zu tun hätte. Ich sage ihm wenn am kommenden Tag, am Mittwoch den 11. wieder nichts erschiene müsse ich davon ausgehen, dass er nicht den Zustand den auch seine Hetzt-Artikel verursacht haben ich anders handeln müsse. Danach bespreche ich mich mit Oberst Pöchhacker wegen Schutzmaßnahmen. ER ruft die Polizei wegen der 2. Zerstörung beim inneren Eingang es Theaters um eine Anzeige zu machen. Um 11h kommt Frau Mottinger vom Kurier für ein Interview. Sie kommt gerade wie auch die Polizisten kommen. Wir fahren gemeinsam auf die Polizeiwache. Für sie ist as sehr interessant, da sie erlebt was diese stück eigentlich auch bedeutet. Anschließend fahren wir in das Theater um dort das Interview zu Ende zu führen. Danach um 13h kommt Herr Schneeberger mit einem Fotografen für ein Profil- Interview. Auch das ist sehr ausdauernd. Dazwischen Reparaturen im Theater für die Behörden. Geländer bauen. Eine große Hilfe ist der Ronny, der Bühnen Meister ist bei den Bundestheatern. Abends bis spät abends sehr intensive und ergiebige Proben. ————————————————

Mi. 11. 02 Termine im Kulturamt. Gespräche mit Kulturstadtrat Mailath Pokorny, Kultursprecher der SPÖ Ernst Woller und mit Dr. Denscher. Ich gebe ihnen einen Zustandsbericht. Vor allem beschwere ich mich darüber, dass nicht nur der rechte Terror uns sehr zu schaffen macht, sondern uns ihre eigene Behörde Ma 36 besonders zu schaffen macht durch penibelste Kontrollen und Begutachtungen und weiteren Forderungen, obwohl das 3raum-theater erst nach langen, schwierigen Prozessen vonr2 Jahren eine Dauergenehmigung bekommen hat. Daher ist das Theater im Grunde genommen sicherheitstechnisch sehr gut im Schuss. Diese momentane Quälerei der Behörde ist Moment klarerweise ebenfalls eine Konsequenz der Hetze von der Kronen Zeitung und dem Gratis-Blatt – HEUTE. Der Kulturstadtrat zeigt mir das HEUTE von heute. Darin versucht zwar der verantwortliche Chefredakteur Herrn Schmitt, irgendwie sein Gesicht zu bewahren, indem er ein paar Punkte die ich ihm gesagt habe in ein etwas anderes Licht stellt, beharrt aber mit dem groß herausgehobenen Hinweis: „Leid der Opfer ist für Satire kein Tabu“ in seinem Artikel weiter auf den hetzerischen Vorwurf, dass ich keine Rücksicht auf diese armen Menschen dieser Tragödie nehmen würde. Der hetzerische Vorwurf der seine Leser zu Recht besonders aufregt. Obwohl ich ihm gegenüber persönlich immer wieder betont habe, dass ich größtes Mitgefühl für die Opfer der Famili Fritzl empfinde und diese Menschen nicht Gegenstand irgendwelcher Darstellungen in dieser Satire, auf der Bühne sein werden. Im Kurier auf der Vorderseite unter „Theatermacher“ ist von Guido Tartarotti eine kurze aber sehr gute Darstellung, dass sich an der politischen Situation in Österreich vor 20 Jahren, der Waldheim-Ära, Haider etc und dem herbeigeschrieben Skandal um die Aufführung von Thomas Bernhards „Heldenplatz“ und dem derzeitigen rechten Scharfmachern wie Strache und den von den Boulvardmedien „herbeigeschriebenen“, aufhetzenden Skandal um mein Stück nichts geändert hat. Erschütternd. Unter anderem ein Nachweis wie dieses Land weiterhin in der kellerhaften, muffigen Atmosphäre verblieben ist. Fest im Griff der Krone und von HEUTE. Zum Glück gibt es noch ein paar Initiativen und Journalisten die dagegenhalten – wenige und die großartige Stadtzeitung AUGUSTIN von Robert Sommer und seinem Team, die sich besonders für die Schwachen und geschundenen Menschen hier im Lande einsetzen. Abgesehen davon, dass die AUGUSTIN Journalisten intensiv und schonungslos die verheerenden nationalen wie globalen politischen und besonders auch wirtschaftlichen Zustände von ganz anderen Blickwinkeln analysieren als die Medien die weiterhin versuchen den Raubtier-Kapitalismus in Form des Neoliberalismus zu verteidigen, der genauso gescheitert ist und scheitern muss wie der diktatorische Kommunismus. Am Nachmittag bis spät am Abend weitere Arbeiten im Theater für die Behörde. Es ist völlig verrückt wie man gejagt wird, wenn man versucht bessere Bedingungen für unsere Gesellschaft einzufordern und das mit künstlerischen Mitteln. Daran sieht man wie ängstlich und schwach die herrschende Gesellschaft eigentlich ist, indem sie mit ihren Mitteln und die sind mächtig, Künstler wie mich derart bekämpfen und zu zerstören versuchen. ———————————-

Do 12. 02 Das Gratismagazin HEUTE berichtet heute groß über den 20. Todestag von Thomas Bernhard. Die „Story“ ist betitelt mit einem Text aus der Rede von Th. Bernhard anlässlich der Verleihung des österreichischen Staatspreises 1967: „Es ist alles lächerlich…“. daraus zitiert:…“das ahnungslose Volk… es sind tote oder gewissenhaft, gewissenlose Väter, Menschen mit der Einfachheit und der Niedertracht…das dämonische in uns, ein immerwährender vaterländischer Kerker….“ Wie verräterisch von dieser Zeitung in diesem Text natürlich auch über sich zu schreiben. Damals haben sie diesen „großen Österreicher“ zerrissen, heute ist eh nur alles lächerlich… Und wiederum schreiben sie damit über sich, über ihre eigene Niedertracht. Sie benutzen nun Bernhard als Feigenblatt. Er kann sich ja nicht dagegen zur Wehr setzen. Wie typisch für diese Art von Medien….20 Jahre davor hat ihn die österreichische Boulvard-Presse mit ihrer Schmutzkübelkampagne (Österreichbeschmutzer, Jauche vor dem Burgtheater…) zu vernichten versucht. Als Schriftsteller und als Menschen. Da sind sie nach demselben Muster gegen ihn vorgegangen wie sie heute 20 Jahre später gegen mich vorgehen. Vor allem auch „dieses“ HEUTE…es ist alles so beschämend und heuchlerisch. Damals war es sein Stück „Heldenplatz“, das mit der Geschichte Österreichs und seinen Geschichtsverdrehern abgerechnet hat, die Boulvard Schreiber im Dienste Dichands und Konsorten zur Weißglut gereizt hat. Und ohne das Stück gesehen zu haben, sind sie daüber und über Bernhard hergefallen wie eine böse Wolfsmeute um Es (den Inhalt des Stückes vor dem sie Angst haben) und ihn zu zerreißen. Es war die Zeit von Waldheim und des jungen Haider, die Zeit in der der Eiterherd des faschistoiden Österreich wieder mit aller Vehemenz aufgebrochen ist. Die Zeit in der besonders mit Hilfe der Boulvard-Medien der Hass gegen die Vernunft, gegen das Aufarbeiten unserer jüngeren Geschichte, gegen so Vieles zum Lodern gebracht wurde. Das Ergebnis haben wir heute, 20 Jahre danach, klar vor Augen. Der Zustand des Landes mit dem rechtsextremen Strache im Anmarsch. Dem Kuschen und der Angst der Linken. Mit einer Kirche die deutlich macht was sie unter Liebe und Menschenliebe wirklich versteht, indem prominente Vertreter derselben: Homosexualität als Krankheit bezeichnen. Erschütternd. Ich erinnere mich an eine Aussage des damaligen Papst im Zusammenhang mit Nonnenvergewaltigungen im Balkankrieg. Homosexualität ist schlimmer als Vergewaltigung. Bei der Vergewaltigung kann Leben entstehen, kann eine Vergewaltigte schwanger werde…. so weit zur katholischen Vorstellung von christlicher Nächstenliebe. Nachmittags wieder schwere Arbeiten im Theater und abends dafür wunderbare Proben. Das Team ist großartig. Wir lachen viel, auch wenn vieles weh tut was da beim Arbeiten ans „Tageslicht“ an die Oberfläche kommt. Und vor allem auch, es ist wirklich spannend wie das kippt, das Opfer das plötzlich zum Täter wird. Das passiert dann wenn das Opfer sich befreiend Macht bekommt. Nicht die große Macht, nein schon bei dem ersten Wachsen von Machtgefühlen. —————————

Fr. 13. 02. Na schau eine positive Meldung in der Zeitung: Papst Benedikt XVI: „Leugnung des Holocaust untragbar“ und „… bittet Juden um Entschuldigung. Na das ist ja einmal eine positives Signal der Amtskirche. Und weiter jeden Tag Termine und Terminvereinbarungen mit Journalisten. Mein Termin-Kalender ist voll. Ich muss ja soviel anderes tun… Wieder intensive Arbeiten im Theater wegen der Behörden- Auflagen. Die Proben verlaufen sehr gut. Wichtig ist, dass Peter, der den Medienbereich koordiniert und mit Clemens vorbereitet, da ist und dass auch die Musiker zum ersten mal sehen was wir inzwischen machen. Interessant wie in wenigen Tagen ein Stück entsteht. Noch 10 Tage bis zur Welt-Premiere von PF und wir hatten erst zwei wirkliche Proben für das Ganze. Wobei in den Proben eigentlich das Stück entsteht. Ich habe bisher zwei Seiten Kurz Notizen mit einem möglichen Ablauf. Dank dem Himmel, dass mein Hirn und meine creative Intuition so gut funktionieren. —————————-

Sa. 14. 02 Mittags Proben. Davor Texte schreiben. Einkaufen und, und…Die Proben sind wieder sehr gut. Wirklich erstaunlich was in so kurzer Zeit entsteht. Nach den Proben kommt Alf Poyer und macht für uns Spontan Interviews für das Stück. Ich suche mit ihm ein paar Requisiten aus die als Bild-Hintergrund seines „Auftrittes“ dienen. Zum Beispiel eine medizinische Darstellung des menschlichen Gehirns. Alf ist ja ein sehr philosophisch gebildeter Mensch, der eher dem Zen-buddhismus zuneigt. Er hat aber ein wunderbar komisches Talent frei zu „philosophieren“. Es wird ein sehr „lustiges“ Interview. Material für die Show. Danach gehe ich mit Alexandra zum Abschieds-Fest für, den durch Selbstmord aus dem Leben geschiedenen, Herbert Adamez. Der nächste Künstler-Tote welcher tragischer Weise der Lebensschlacht nicht mehr Stand gehalten hat. Er hat in den späteren 70ger Jahren AMOK gegründet und war eines der großen Talente, der in Wien in den letzten Jahren künstlerisch kaum beachtet wurde und „verkümmert“ ist. Ich habe einige Sachen mit ihm gemeinsam gemacht. Z.B. waren wir Mitte der siebziger Jahre miteinander in Wroclaw/Polen. im Theaterlabor von Grotowski. Ich treffe bei dem „Fest“ viele Bekannte aus der Grotowski Zeit. Hilde Berger, Vickerl Adam von der Hallucination Company, Georgie, Jutta Schwarz, den Horst Forrester, der das dramatische Zentrum geleitet hat und in den frühen 70ger Jahren internationale Größen wie eben auch Grotowski, La Mama und viele andere internationale Theaterveränderer nach Wien gebracht hat. Herbert ist der Grotowski Schule treu geblieben. Während ich mich eher nach meiner Grotowski Phase, La Mama und dann vor allem Jerome Savary vom Grand Macic Circus zugewendet habe. Ich hatte ja auch das Glück in Bochum mit Savary arbeiten zu dürfen. Damit bin ich vom ernsten Theater zum Theater der Ironie und den satirischen Möglichkeiten politischen Theaters gekommen. Es hat mich sehr geprägt. Es ist eine der starken Wurzeln, die mich nun auch diese Arbeit, Pension Fritzl – Österreich – Heute, machen lässt. In der Gegenwart ist immer die Geschichte eingeschrieben. Oft mehr als wir zu glauben vermögen, mehr als es uns bewusst ist. —————————-

So. 15. 02. Am Morgen schlafe ich erstmals etwas länger. Dann habe ich ein sehr schönes Gespräch mit Alexandra, da es für sie nicht einfach ist diesen ganzen Wahnsinn durchzustehen und daneben ein eigenes Leben führen zu können. Das Theater nimmt jeden Raum zum atmen. Terminvereinbarungen. Für eine Beziehung ist so ein Druck sehr gefährlich. Aber was ist heute nicht gefährlich. In der Zeitung lese ich: Polizisten in Zivil – Drogenfahnder, haben einen schwarzen Lehrer der International School in der U-Bahn zusammengeschlagen. Es war keine Notwehr der Polizei, sondern ein gezieltes Vorgehen. Am Vortag wurde mir von Tini berichtet wie sie in der U Bahn miterlebt hat wie ältere Fahrgäste eine türkische Familie nieder gepöbelt haben und auch auf Tini losgegangen sind, da sie sich auf die Seite der türkischen Familie gestellt hat. Nun ich muss heute das letzte Quartal des Theaters finanztechnisch abwickeln. Es bleibt mir scheinbar gar nichts erspart. Kopf hoch, damit er in die Schlinge passt. Andere haben es aber noch viel schwerer, damit tröste ich mich immer wieder. —————————-

Mo. 16. 02. Die Arbeit am Protokoll ist sehr Zeitintensiv bei all den anderen Dingen, die ich erledigen muss. Daher unterbreche ich Arbeit daran. Ich muss nun beginnen ein Stück zu schreiben. Sagen wir ein Stück, das weiterhin offen ist und reagiert auf alles was rund um diese Produktion passiert. Es muss aber einen Rahmen geben, da ja 35 Mitwirkende beteiligt sind, weiters Musiker, die Video-Mediengruppe, Licht und Tontechniker. Die brauchen einen Art Ablauf um einigermaßen so etwas wie ein Stück zu präsentieren. Wie immer bei meinen „Kein Theater Theater“ Produktionen ein Seiltanz über schwindelnden Höhen ohne Netz. Schließlich kommen ja sehr viele nationale und internationale Presseleute und Kritiker. Da es noch dazu eine Mediensatire ist, werden sie noch genauer hinschauen. —————————————

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